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Die musikfans unter euch werden nur müde lächeln über die nachricht (hier im blog) – das Reeperbahn Festival hier in Hamburg ist als eine institution für gute bis sehr gute nachwuchsmusiker natürlich schon seit jahren bekannt. Auch dieses jahr besuchten nach veranstalterangaben um die 15.000 besucher die 145 konzerte an 19 veranstaltungsorten.
Ein weiteres aufstrebendes internationales kultur– und vor allem design-highlight fand indes im rahmenprogramm statt und es sei hier ausdrücklich für nächstes jahr empfohlen, weil es auf großartige weise musik und design miteinander verbindet: Das dritte Flatstock-Festival Europe.
Das FFE ist eigentlich eine ausstellung eines internationalen netzwerks an künstlern und designern, die mit großer liebe zu details und technik und auf gestalterisch höchstem niveau plakate für musikbands oder –events gestalten.
Beheimatet ist das Flatstock-Festival, abgeleitet von flachliegend gelagerten papierstapeln, ursprünglich in den USA. Seit 2002 findet es jährlich im rahmen von großen musikfestivals statt. Veranstaltungsorte waren San Francisco, Austin, Seattle oder Chicago. Flatstock-ausstellungen zählen dort bis zu 20.000 besucher.
Die technik – und das ist besonders interessant in diesen high-tech-zeiten – ist der klassische siebdruck.
Mit einfachstem mitteln sind die enthusiasten zum teil dabei unterwegs. Belichtet wird das sieb mit einer UV-lampe aus dem shop die straße runter und durch eine stabile glasplatte vom glaser. Das sieb wird dann mit speziellen und dennoch günstigen scharnieren auf einen tisch geklemmt – fertig ist die siebdruckmaschine.
Die professionelle siebdruckanlage mit parallel öffnendem siebhaltern, ansaugpumpe und anderem angenehmen schnickschnack dagegen ist einiges teurer und muss entsprechend ausgelastet sein. Das setzt einiges an organisationstalent voraus.
Mit derartig unterschiedlichen levels technischer ausstattung sind dennoch durchaus professionelle druckergebnisse für kleine auflagen bis ca. 200 exp. zu erzielen. Durch die sehr gute qualität, die handarbeit und die geringen stückzahlen ist dazu der künstlerische status garantiert. Aus den postern für kultbands und deren gigs wurden in der vergangenheit oft schnell gesuchte sammlerobjekte. Liegen die preise gleich nach produktion für die gig-poster noch bei €20 – €50, kommen künstler-siebdrucke von den stars der branche nach druck schon auf €200. Nach jahren sind die gebote nach oben offen.
Ein weg in die etablierte kunstvermarktung, ähnlich dem der photographie, scheint sich abzuzeichnen und weckt erinnerungen an die großen werke Andy Warhols oder Robert Rauschenbergs.
Dieses jahr kamen 35 designer aus entfernten teilen der welt beim Reeperbahn-Festival zusammen. Anreisewege aus Nordamerika, Großbritannien, Neuseeland, Schweiz und Österreich waren kurze wege, wenn es darum ging die siebdruckposter-community zu treffen.
In den vereinigten staaten erlebt das medium siebdruck seit jahren ein spürbares revival. Und auch auf dem Spielbudenplatz auf St.Pauli war die szene quicklebendig. Die kombination von fühlbarer materie des dicken werkdruckpapiers und den kräftig leuchtenden oder hauchfein transluzenten farben im druckergebnis, machen den reiz der flachen schätzchen aus. Die aktualität von siebdruck als produktionstechnik bewieß sich auf jedem ausstellungsstand. Keiner der designer kam ohne laptop aus, auf dem digital weitere teile des eigenen siebdruck-portfolios zu sehen waren.
Die druckvorlagenherstellung erfolgt ohnehin digital und kann heute umso genauer geplant werden, da die designprogramme filter, bearbeitungstechniken und ausgabefeatures anbieten, die die ergebnisse vorwegnehmen und kontrollieren lassen.
The-ones-to-watch sind gestalter wie Mark Podini, Daniel Macadam von Crosshair oder Geoff Peveto von The Decoder Ring.
Sie stellten plakate, flyer, banner oder t-shirts aus und sicherten sich mit den verkäufen das ticket zurück. "You won't get rich, but it's fun to be here in Hamburg!" freute sich der Texaner Daniel Macadam aus Austin, der unter seinen motiven auch Hamburger stahlbrücken mit überraschend archaischer ausdruckskraft hatte.
"We took our two weeks of holidays this year to come to Europe and to be here in Hamburg at the flatstock!" berichteten Podini und freundin und verschenkten am ende sogar ihre t-Shirts.
Wenn diese fröhliche betriebsamkeit nicht ansteckend ist?
Ein paar arbeiten folgen.
Daniel Macadam / Crosshair
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Geoff Peveto von The Decoder Ring Design Concern
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